29.11.2021

Drohnenlandschaft Schweiz – Wo darf ich mit meiner Drohne fliegen?

Baris Erdal

Der Hype um Drohnen für den Privatgebrauch ist auch nach ein paar Jahren immer noch riesig. Inzwischen gibt es kaum mehr ruhige touristische Plätze, wo keine Drohne in der Luft surrt. Nicht nur die Anzahl an Drohnen ist gestiegen, sondern auch die Vielfalt. Doch als Anfänger*in ist es gar nicht so einfach, die Übersicht über alle Regeln und Modelle zu behalten. Wir helfen deshalb auf die Sprünge und zeigen auf, wie die grobe Drohnensituation in der Schweiz aussieht und welche Drohnen wir für welche Zwecke empfehlen.

Flugeinschränkungen, wohin das Auge reicht

Wo darf ich fliegen und wo nicht? Uns als Filmagentur begleitet diese Frage vor jedem Flug. Eine seriöse Vorbereitung dauert schnell eine Stunde, denn einfache Antworten findet man nicht immer auf anhieb. Für eine solide Übersicht sollte als Erstes die offizielle Drohnenkarte zu Flugeinschränkungen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) konsultiert werden. Sie veranschaulicht, wo welche Sperrungen und Einschränkungen vorhanden sind und bei welchen Institutionen eine Flugbewilligung beantragt werden kann. Auch wenn die Karte umfangreich ist, deckt sie nicht alles ab, da es vereinzelt zu Abweichungen kommen kann, so zum Beispiel in Flims. Da wird auf der digitalen Karte nämlich kein Flugverbot angezeigt, obwohl dort der unbewilligte Drohnenflug untersagt ist. Besucht man also zum Beispiel den Caumasee, so signalisiert vor Ort eine physische Tafel das Gesetz.

Quelle: BAZL

Ein weiteres Beispiel für kantonale Ausnahmen findet man in Luzern. Wird ein Flug über den See oder anderes Gewässer beabsichtigt, muss neben dem üblichen Weg via BAZL, Skyguide oder dem Flugplatzhalter auch eine Bewilligung bei der Seepolizei eingeholt werden. Dies gilt allerdings nur für einige Drohnentypen, basierend auf ihrer Art und dem Gewicht. Mit einer Drohne unter 500 Gramm fliegt man gemäss Schweizer Recht nämlich “unter dem Radar”. Bestes Beispiel ist hierfür die Drohne Mavic Air 1 des asiatischen Herstellers DJI. Ihr Startgewicht beträgt 430 g und ermöglicht dadurch Flugeinsätze in gewissen Sperrzonen, wie zum Beispiel in der Stadt Luzern. Dennoch müssen sich die Pilot*innen auch bei diesem Fluggerät an Grundregeln halten.

Aus Faustregel gilt gemäss dem SGAV: “Meine Drohne wiegt weniger als 500 g, ich fliege durchgehend auf Sicht unterhalb 120 m über Grund. Ausserhalb einer Verbotszone bin ich zudem in der Lage, jederzeit anderen Flugobjekten oder Hindernissen auszuweichen und meide Menschenansammlungen. Dabei achte ich darauf, wilde Tiere nicht zu erschrecken, beachte die Privatsphäre anderer Personen und die zusätzlichen kantonalen Regelungen.” Darüber hinaus ist ein gesunder Menschenverstand gefragt.

Neben der interaktiven Drohnenkarte sollte vor jedem Flug das Daily Airspace Bulletin Switzerland (DABS) konsultiert werden. Darin werden aussergewöhnliche Einschränkungen auf Tagesbasis veröffentlicht, wie z. B. die Sperrung des Luftraums aufgrund von politischen Events, wie etwa dem WEF in Davos.

Neue EU-Regulierung als Game Changer

Da sich die gesamte Drohnenregulierung in der Schweiz demnächst ändern wird, möchten wir in unserem Blog nicht zu tief auf die Gesetze und Regeln eingehen. Seit dem Sommer 2020 ist bei uns nämlich die Übernahme der EU-Regulierung für Drohnen und Modellflugzeuge geplant. Da das politische Thema zur Regulierung des Luftraums aber viel Zündstoff verfügt, zieht sich die Diskussion bei National- und Ständerat hin. Für viele Drohnenpilot*innen ist die Verzögerung von Vorteil, denn nach der Einführung der neuen Verordnung gelten strengere Vorschriften. Neu wird es dann drei Kategorien für den Betrieb von unbemannten Fluggeräten geben: offen, speziell und zulassungspflichtig.

Vereinfacht ausgedrückt gilt mit dem neuen Gesetz eine Registrationspflicht für Drohnen über 250 Gramm und für all diejenigen, die mit einer Kamera oder einem Sensor ausgestattet sind. Im Klartext also eigentlich für alle Drohnen. Nach der Registrierung folgt dann die obligatorische Online-Schulung mit Abschlussprüfung. Danach kann es schnell teuer werden, da alle Flüge ein Pre-defined Risk Assessment (PDRA) oder eine Betriebsgenehmigung nach SORA (Specific Operation Risk Assessment) benötigen und diese zusätzlich einen grossen administrativen Aufwand mit sich bringen.

Positive News gibt es jedoch für gewisse Drohnenliebhaber*innen: Das Fliegen von Drohnen im FPV-Modus (Pilot mit Brille und daneben stehenden Beobachter mit direktem Sichtkontakt auf die Drohne) kann im gewohnten Rahmen weitergeführt werden.

Welche Drohne soll es sein?

Mit der Lancierung der neuen Regulierung erhält jede Drohne ein CE-Klassenkennzeichen.

Wer nun eine neue Drohne kaufen möchte, muss sich also die grosse Frage stellen, ob eine nachträgliche Klassifizierung des Modells möglich sein wird. Zu schade wäre es, wenn in ein paar Monaten das neu erworbene Modell nicht zugelassen werden würde. Zwar soll es eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2022 geben – doch zurzeit sind viele Informationen nur Annahmen und Vermutungen.

Bei der Suche nach der passenden Drohne kommen verschiedene Fragen auf, denn je nach Bedürfnis eignet sich eine andere Drohne. Kriterien können zum Beispiel sein: Bildqualität, Preis, Flugzeit, Grösse, Handhabung, Flugmodi, Zubehör. Punkto Bildqualität war im Consumer-Bereich lange Zeit die DJI Phantom 4 Pro herausragend – auch lange nach ihrem Release im 2016. Die DJI Mavic-Reihe kam lange Zeit nicht an diese hohe Messlatte. Doch nun hat DJI in dieser Preisklasse eine neue, gespannt erwartete Drohne herausgebracht. Oder besser gesagt, zwei Modelle: DJI Mavic 3 und die DJI Mavic 3 Cine. Mit der Cine Variante kann sogar in ProRes gefilmt werden, wodurch mehr Bearbeitungsmöglichkeiten da sind.

Quelle: DJI

Doch nach dem grossen Hype rund um das neue Flagship sind nicht alle Drohnenfans begeistert. Aktuelle Reviews zeigen, dass insbesondere das Datenhandling mühsam sein könnte. Die tollen ProRes-Aufnahmen generieren hohe Datenmengen, welche auf dem internen Speicher erzeugt werden. Die Daten können nur via angeschlossener Drohne auf den Computer gezogen werden. Dafür ist jedoch ein geladener Akku notwendig. Abgesehen von diesem Workflow soll die Kamera hervorragende Aufnahmen liefern. Wer langfristig ambitionierte Filmprojekte umsetzen möchte, macht mit der neuen Mavic nichts falsch. Wir empfehlen diese Drohnen Cineasten mit hohen Ansprüchen. Und im Hinblick auf die neue Regulierung sind wir positiv gestimmt und gehen davon aus, dass sie eine Klassifizierung erhält.

Für die meisten Privatanwender dürfte dieses Modell ein Overkill sein, da das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt. Für die hohe Bildqualität muss man zu tief in die Tasche greifen. Wer hohe Ansprüche hat, aber weniger Geld ausgeben möchte, ist mit der DJI Mavic 2S bestens aufgestellt. Seit einem halben Jahr wirbelt sie den Drohnenmarkt auf und begeistert viele Hobby-Drohnenpiloten aus der ganzen Welt. Dieses Modell ist noch handlicher als die Mavic 3 und liefert dank dem fantastischen Bildsensor fast so tolle Foto- und Filmaufnahmen. Aber Achtung, wir gehen aktuell davon aus, dass diese Drohne nach der Übergangsfrist wahrscheinlich nicht mehr zugelassen wird.

Quelle: DJI

Wer auf der Suche nach einem einfachen Einstiegsmodell ist, das in jeden Tagesrucksack passt, wird von der DJI Mini 2 begeistert sein. Diese preisgünstige Drohne deckt innerhalb der DJI-Familie einen Grossteil seiner Geschwister ab. Die Vorteile sind insbesondere seine Grösse, das Gewicht, die leichte Bedienung und so gut wie keine Lärmemissionen. Da sie sehr klein und leise ist, ermöglicht sie ein unkompliziertes Drohnenfliegen und wird von vielen Personen nicht als störendes Flugobjekt empfunden. Als Pilot*in schätzt man dies. Besonders wenn man schon einige Flüge absolviert hat, bei denen Passant*innen sich von dem Lärm gestört fühlten (natürlich zu unrecht ;)). Solange man sich also an die Faustregeln hält und das Datenschutzgesetz nicht tangiert, hält einem in der Übergangszeit nichts vom Flug ab. Aber auch hier gehen wir davon aus, dass diese Flieger ab 2023 auf dem Boden bleiben müssen.

Quelle: DJI

Wer auf Nummer sicher gehen und eine langfristige Investition tätigen möchte, dem empfehlen wir den Kauf einer DJI Mavic 3 oder DJI Mavic 3 Cine, da diese Modelle vermutlich nachträglich zertifiziert werden. Wer vor allem nächstes Jahr aus Spass viele Drohnenflüge plant, dem empfehlen wir eines der beiden Modelle im günstigeren Segment.

Letzten Endes ist es wie bei allen anderen Kameras: Nicht das Gerät ist für die Qualität des Filmes alleine entscheidend. Schlussendlich ist der Inhalt des Filmes genauso wichtig.

Wir wünschen einen angenehmen und sicheren Flug!



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